Pressemitteilung: Zum Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende am 21. Juli 2026

„Verändern, um Leben zu retten!“

Der JES Bundesverband fordert entschlossenes Handeln
für eine humane und evidenzbasierte Drogenpolitik!

Am 21. Juli wird bundesweit der Menschen gedacht, die an den Folgen des Konsums
illegalisierter Substanzen, an Überdosierungen oder an den sozialen Folgen der
Drogenprohibition verstorben sind. Der Internationale Gedenktag für verstorbene
Drogengebrauchende erinnert an Freundinnen, Angehörige und Wegbegleiterinnen –
und mahnt zugleich Politik und Gesellschaft, endlich konsequent zu handeln.

Zweithöchste Zahl verstorbener Drogengebraucher*innen
Im Jahr 2025 verloren 2.150 Menschen in Deutschland aufgrund des Konsums psychoaktiver Substanzen ihr Leben. Angesichts der bekannten Risikofaktoren und wirksamen Präventionsansätze wäre ein großer Teil dieser Todesfälle vermeidbar gewesen.
Gleichwohl mangelt es weiterhin an konsequenten politischen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation. Jeder Drogentodesfall ist einer zu viel. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, Hoffnungen und Beziehungen. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar gewesen.
Der JES Bundesverband erinnert deshalb nicht nur an die Verstorbenen, sondern fordert eine Drogenpolitik, die den Schutz von Leben und Gesundheit konsequent in den Mittelpunkt stellt.

Fortschritte anerkennen – den Wandel fortsetzen
In den vergangenen Jahren wurden wichtige Schritte eingeleitet. Die Teil-Entkriminalisierung
von Cannabis, die Einführung von Drug-Checking-Angeboten in mehreren Bundesländern,
die stärkere Verbreitung von Naloxon sowie die politische Diskussion über
Schadensminderung zeigen, dass Veränderungen möglich sind. Diese Entwicklungen
sind wichtige Signale und belegen, dass sich Drogenpolitik zunehmend an
wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert.

Neue Risiken, alte Probleme
Doch diese Erfolge reichen nicht aus. Die Zahl der drogenbedingten Todesfälle bleibt auf
einem alarmierend hohen Niveau. Gleichzeitig verschlimmern synthetische Opioide, der
zunehmende Crackkonsum, Wohnungslosigkeit und soziale Ausgrenzung die Situation
vieler Konsument*innen dramatisch.

Menschen schützen statt bestrafen
Noch immer erschweren Kriminalisierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung den Zugang
zu medizinischer Versorgung und sozialen Hilfen. Wer Angst vor Strafverfolgung oder
Diskriminierung haben muss, sucht Hilfe häufig erst dann, wenn es bereits zu spät ist.
Eine moderne Drogenpolitik muss Menschenleben schützen – nicht Konsument*innen
bestrafen.

Der JES Bundesverband fordert deshalb:
❖ den Zugang zu Wohnraum, denn Wohnen ist eine wesentliche Voraussetzung für
Gesundheit, Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe
❖ die konsequente Entkriminalisierung von Menschen, die Drogen konsumieren
❖ den flächendeckenden Ausbau von Drug-Checking-Angeboten
❖ eine wohnortnahe und niedrigschwellige Substitutionsbehandlung ohne unnötige
Zugangshürden
❖ den Ausbau von Drogenkonsumräumen und aufsuchender Suchthilfe
❖ eine bundesweite Versorgung mit Naloxon zur Verhinderung tödlicher Überdosierungen
❖ Frühwarnsysteme und schnelle Informationswege bei gefährlichen synthetischen
Opioiden
❖ den Ausbau medizinischer und psychosozialer Versorgung
❖ sowie die sichere und langfristige Finanzierung der Suchthilfe
❖ Gedenken verpflichtet zum Handeln

Der Gedenktag ist weit mehr als ein Tag der Trauer. Er macht sichtbar, dass hinter den
Statistiken Menschen stehen, deren Tod häufig vermeidbar gewesen wäre. Er erinnert
daran, dass eine humane Drogenpolitik Leben retten kann.
Der JES Bundesverband ruft Politik, Fachpraxis und Gesellschaft dazu auf, den
begonnenen Wandel konsequent und weniger zaghaft fortzuführen. Notwendig sind
wissenschaftlich fundierte Entscheidungen, der Ausbau bewährter Maßnahmen der
Schadensminderung und die konsequente Einbeziehung von Menschen mit Drogenerfahrung in
politische Entscheidungen.

Verändern, um Leben zu retten ist deshalb nicht nur das Motto des diesjährigen
Gedenktages – es ist ein politischer Auftrag.

Nur wenn Gesundheit, Menschenwürde und Teilhabe das Handeln bestimmen, werden
künftig weniger Menschen an den Folgen von Drogenkonsum und Drogenpolitik sterben.

Kontakt für Rückfragen:
Thekla Andresen
Bundesvorstand JES Bundesverband e. V.
Tel.: +49 01520 414 39 28